Schokoladeneis ja, aber Blumenkohleis? – Was lässt dieser Titel einer Ausfahrt erwarten? Sicherlich nichts Alltägliches. Und so begann es dann auch.
Einer der Feinde der Eiskletterer, die Lawinenlage und damit verbundene Lawinen, sollte uns in der Taschachschlucht eigentlich nicht in die Quere kommen, wenn wir denn bis dahin gekommen wären. Wenige Stunden vor unserer Ankunft im Pitztal rollte wohl eine Lawine über die dortige Straße. Zehn Kilometer vor dem eigentlichen Ziel: Schranke unten, Straße gesperrt. Ganz Ende war dann doch nicht. Das Ausweichziel lag nur 5 Minuten von der Schranke entfernt, musste aber durch oberschenkeltiefen Schnee erst einmal erkämpft werden.
Am Luibisbodenfall legten wir die ersten Grundlagen, doch von einem sichtbaren Eisfall konnte zunächst keine Rede sein. Unter etwa 30 Zentimetern Schnee hatte sich das Eis vollständig versteckt. Jeder Klettermeter musste erst freigelegt werden – bevor überhaupt an Schlagen und Steigen zu denken war. Dennoch hatten wir viel Spaß und fühlten uns nach ein paar Übungen schon deutlich sicherer mit den Eisgeräten und Steigeisen in der Wand.
In der Unterkunft wurden wir dann mit einer Yak-Bolognese der eigenen Tiere des Permadieshofes empfangen. Hier gab es dann die zweite Überraschung der Fahrt: Malte zauberte aus seinem Gepäck Blumenkohleis mit Mandarinensoße als Dessert. Wer bei der Ausschreibung aufgepasst hatte, konnte es fast ahnen. Blumenkohleis ist eine jener fragilen Eisform am unteren Ende von Eissäulen, optisch faszinierend, muss aber vorsichtig geklettert werden. Als Dessert aus dem Gemüse klingt es erst einmal gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber überraschend gut.
Die Kitzgartenschlucht bot am zweiten Tag die nächste Steigerung: steileres Gelände, dünnere Formationen, längere Linien. Das Eis verlangte präzisere Schläge und saubere Tritte. Neben bereits eingepickeltem Eis trafen die Eisgeräte immer wieder auf frische, harte Strukturen.
Die Beurteilung von Eisfällen und das Setzen von Eisschrauben darf natürlich auch nicht fehlen. Der „gesunde Wurm“ aus verdrängtem Eis der Eisschraube wurde sogar länger als die Eisschraube selbst, was auf sehr gutes Eis hinwies.
Am letzten Tag wurde die Straße dann endlich wieder geöffnet, und wir konnten in die Taschachschlucht. Auch hier mussten wir uns wieder durch den Schnee wühlen, um überhaupt hinunter in die Schlucht zu kommen, bevor wir klettern konnten. Spätestens jetzt meldeten sich die Unterarme und Waden. Doch das hielt uns nicht davon ab, weiter zu lernen. Dummy-Vorstiege - also Klettern im Toprope, während am zweiten Seil Eisschrauben gesetzt und eingehängt werden – machten deutlich, was Vorsteigen wirklich bedeutet: den Eisgeräten vertrauen, auf den Frontalzacken der Steigeisen im Eis stehen, dann die Eisschraube hervorholen und einschrauben. Und vielleicht steht im nächsten Winter jemand von uns nicht mehr im Toprope, sondern vor einem eigenen Eisfall.
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