Wander-Herbstausklang: 4 Tage auf dem Lieser-Pfad in der Eifel
Oder: Genuss-Wandern für Wasserratten
Wir treffen uns am Vortag abends in Daun: zehn ( nein, nur neun!) wanderhungrige Pfälzer und eine Kurpfälzerin, die Heino durch die ihm aus Studentenzeiten wohlbekannte Eifel folgen wollen.
Schon der Weg zum Abendessen stimmt ein: Regenschirm ist obligatorisch, heute wird man kalt geduscht.
Tag1: Von der Lieser-Quelle bei Boxberg nach Daun Am nächsten Morgen geht es zunächst mit dem Bus nach Boxberg. Kritisch wird das frisch gewaschene Grün vor der Scheibe und die grauen Wolken beäugt: kommt da noch mehr runter? Natürlich!
Gut eingepackt gegen Regen und Wind in der Bushaltestelle am Ausstieg machen wir uns dann auf den Weg zur Lieser-Quelle. In einem Wiesenhang geht es dann einige Stufen hinab in eine antik anmutende Quellhöhle mit gluckerndem Wasser: die Lieser.
Ihr folgen wir dann am ersten Tag bis Daun, hier noch meist durch welliges Hügelland mit vielen Wiesen und letzten Sommer- und Herbstblumen, die teilweise von urig aussehenden Rindviechern frei gehalten werden.
Und lernen dabei die Dreese kennen: Öffentlich zugängliche, gefasste Mineralquellen, die zwar von der Bevölkerung in vergangenen Zeiten genutzt wurden, z. Bsp. das Wasser als Backpulver-Ersatz, die aber oft nicht (mehr) die Trinkwasser-Normen erfüllen, bzw. eine Analyse zu teuer wäre. Man kann sie gerne probieren, wenn nicht manchmal Farbe oder Geruch abschrecken würden … Sie sind ursächlich verbunden mit dem noch latent vorhandenem Vulkanismus unter der Erdoberfläche, der das Grundwasser ordentlich in Bewegung bringt und dabei mit Mineralien und Gasen anreichert.
Zur Mittagszeit „heizte“ dann wieder ein Regenschauer die Geschwindigkeit an, aber Heino hatte leider keine Einkehrmöglichkeit gefunden. … bis dann der „Vorhut“, die unter dem Vordach eines Hauses Schutz gesucht hatte, Eifeler Gastfreundschaft entgegen kam: Es öffnete sich die Haustür der Familie Lenarz, und wir wurden alle, pitschnass wie wir waren, in einen trockenen und beheizten Wintergarten gebeten und mit frisch aufgebrühtem Kaffee zu unserer Rucksack-Pause versorgt. Ein herzliches „Danke Schön“ an Fam. Lenarz in Nerdlen!
Nach der Pause besserte sich das Wetter etwas, aber der Regen hatte die junge Lieser schon zu einem viel Wasser führendem Bach gemacht. Kurz vor unserer Ankunft in Daun kam dann sogar die Sonne heraus!
Tag2: Von Daun nach Manderscheid Wir starteten bei trockenem Wetter in Daun und nach dem Besuch eines ersten Drees ging es dann zuerst durch den Kurpark und dann am Gemünder Maar vorbei durch das langsam immer tiefer in die Landschaft eingeschnittene Lieser-Tal. Ab hier ist auch keine Strasse mehr im Tal und es wurde ruhig.
Zur Mittagspause hatte Heino eine Schutzhütte an einem Fischweiher etwas abseits vom Lieser-Pfad ausgeguckt. Als wir uns näherten, wurden wir von einem Mann angesprochen. Er suchte “seine Wandergruppe von 30 Personen”, ob wir die gesehen hätten, in der Hütte wäre für die Mittagspause gerichtet ... wir fürchteten schon: Mittagsrast im Stehen – da kam ein Anruf von seiner Gruppe, die den Abzweig verpasst hatte und schon 4 km weiter war ... Eilig packten er und seine Helfer die vorbereitete Rast wieder ins Auto, sie boten uns aber: das heisse Wasser, Becher und Kaffeepulver dazu an! So kamen wir wieder unverhofft zu einem frischen Kaffee zu unserem Brot: Vergelt’s Gott an die Matthias-Wallfahrt aus Siegburg!
Der weitere Weg wurde immer mehr zu einem Steig, der sich fast eben im Steilhang über der Lieser entlangschlängelte. Bis wir dann nach einer Kurve die erste und dann die zweite der Manderscheider Burgen auf Ihren Felsfundamenten im Tal sahen. Unser Weg ging aber direkt in den Ort und hoch zu unserer Unterkunft im “Alten Forsthaus”, das heute eine Frühstückspension ist. Und zum Abendessen wanderten wir dann noch ein kleines Stück zur “Heid’s Mühle” ins Tal der kleinen Kyll, wo es zB typisch Eifler “Döppekooche” gab.
Tag3: Von Manderscheid nach Wittlich Die Nacht war recht frisch, morgens sahen wir den ersten Reif für diesen Winter, und die Burgen hüllten sich in einen wogenden Nebelschleier im Lieser-Tal. Der Nebel und das erste Licht machten aus unzähligen Spinnweben eine zauberhafte Licht-Installation für unsere Fotografen.
Doch dann zwang uns eine Sperrung wegen Waldarbeiten zu einem Umweg hoch auf die Eifel-Höhe, über asphaltierte Wirtschaftswege in den nächsten Ort, um dann wieder, nach einigen km längerem Weg, wieder den Lieser-Pfad zu erreichen.
Durch den Zeitverlust auf dieser langen Etappe mussten wir uns dann eilen, um halbwegs zeitig in Wittlich anzukommen. Neben dieser ungeplanten “Zulage” kam es, weil Sonntag war, auch zu einigen Begegnungen mit “motorisierten” Fahrrädern auf dem Wanderweg, deren Fahrer glaubten, entgegen unseren Warnungen vor dem schmalen und ausgesetzten Weg, unbedingt durchfahren zu müssen.
Tag4: von Wittlich bis Lieser an der Mosel Der weitere Weg aus Wittlich heraus am nächsten Morgen war schon eher ein kleiner Stadtrundgang, der dann zunächst über befestigte Feldwege durch die Wittlicher Senke führte.
Die Lieser machte es dann aber doch noch spannend, da sie sich ihren Weg durch ein kleines “Berg-Massiv” aus Buntsandstein gegraben hatte. Am Eingang zu diesem Streckenabschnitt passierten wir zuerst die Reste einer ehemals riesigen römischen Villa, jedenfalls dem, was der Autobahnbau übriggelassen hatte.
Die Buntsandsteinfelsen dahinter waren wieder dicht bewaldet und es war ein “Abenteuerpfad” hindurch angelegt, der dem Lieser-Lauf folgte, bis wir dann kurz vor dem Ort Lieser die Mündung in die Mosel erreichten.
Den Abschluss unserer 4-Tage-Wanderung entlang der Lieser machte dann am nächsten Morgen nach einem Spaziergang durch den Weinort eine Weinprobe in einer Winzer-Vinothek, die wir uns leisten konnten, weil An- und Abfahrt mit ÖPNV möglich war.
Fazit: auch in den Mittelgebirgen gibt es noch einsame Täler und schmale Pfade ohne Strassenlärm. Heino sei für die hervorragende Organisation und kundige Führung gedankt über die insgesamt 84 km, 1160m ab (und auch 710m auf) in insgesamt 21 Stunden Gehzeit.
Bilder von Isabella Adams, Heino Blankertz, Robert Mühlhölzer und Stefan Adams
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