Zu HT03 fand eine gemischte Truppe, um auf Hochtour zu gehen: annonciert mit „täglich bis zu 1500 Hm, Gehzeiten bis zu 10 Stunden, sicheres Klettern im 2. Grad“. Wie viele gehen da mit, wer wird mitgenommen? Es kamen zusammen eine Mittzwanzigerin (Christina), ein Mittdreißiger (Patrick), ein Mittvierziger (Marcus), ein Mittfünfziger (Georg) und ein Mittsechziger (Ralf). Gleich zu Beginn wurde „getestet“, wie die Gruppe harmonieren könnte. Das Abholen eines DAVlers am ausgemachten Park-and-Ride Parkplatz frühmorgens wurde gleich mal „verworfen“ und kurzerhand um mehrere Kilometer nach Süden verschoben. Der Gebeutelte wurde dann auch noch von seinen Kollegen an der Gondel-Talstation Sunnbüel zurückgelassen, die Gondel fuhr ohne ihn ab. Deshalb verinnerlichen: Toilettengang immer erst an der Bergstation! Trotz alledem … die Stimmung und Harmonie passte!
Auf der Lämmerenhütte in den Berner Alpen trafen wir Georg und bald gab es sehr schmackhaftes Abendessen, Nachschlag und Durstlöscher ohne Ende. Danach Besprechung der ersten Tour zum Steghorn, Wecker stellen und mit dem ersten Licht ab 6:40 ging es los. Richtung Roter Totz, Steinmänner suchen, markanten großen Felsen, weiter über das Geröllfeld zum „Leiterli“, einer markanten Rampe mit leichter Kraxelei an kurzen Ketten, hoch zum Moränenkamm. Unterwegs wunderte sich Christina, dass die kühle Morgenluft nach Haribo duftete. Verursacht diese Höhe (noch unter 3000 m) schon Halluzinationen oder ist das wegen Schlafmangels? Des Rätsels Lösung: Ralf vor ihr machte „portionierte Kohlenhydratzufuhr“ mit Haribobärchen. Georg marschierte voran Richtung Großstrubel, unsere langen Schatten schienen den Berg fast erreichen zu können; Georg schlug an Steilstellen Stufen in den Schnee. In großem Bogen bis zu einem Couloir, aufwärts zum Plateau mit Blick auf den Steghorngletscher und den langen Rücken des Steghorns. Marcus fotografierte uns unterwegs. Wir folgten dem Grat, Schneefelder erschwerten manchem von uns den Weg, „man(n)“ sackte ein, aber „frau“ ging leichtgewichtig meistens auf der Oberfläche. Der Gipfel (3146 m) ist flach, herrliche Rundsicht bei Schokolade, mit Haribos und Gipfelfotos. Wir sahen das Schneehorn, das Daubenhorn und unser morgiges Ziel, den Wildstrubel, vor uns.
Retour zur ca. 650 hm tiefer liegenden Lämmerenhütte, der Weg führte uns oberhalb des Steghorngletschers entlang, dann um das Lämmerenhorn - nach gut 5 Stunden lockte der Obstkuchen und ein Kaffee oder Rösti und ein kühles Bier. Nachmittags wiederholte Georg auf Wunsch Grundlagen der Spaltenbergung, es wurde gefachsimpelt und ausprobiert. Abends war die Hütte voll belegt, der Geräuschpegel hoch, der morgige Wetterbericht für den Anstieg zum Mittelgipfels des Wildstrubels gut, bis mittags.
Am Sonntag klingelte der Wecker um 5:15, Frühstück am Buffet und Start um 6:00. Vor uns war der Zustieg entlang des Baches durch leuchtende Stirnlampen markiert, Bergführer waren mit ihren Gruppen unterwegs. Bei klarer Sicht sahen wir einen farbintensiven Sonnenaufgang hinter einer zebraähnlich gestreiften Schnee-Fels-Landschaft. Im Vorfeld des Wildstrubelgletschers legten wir die Steigeisen an, bildeten eine 5er-Seilschaft. Vor einer Woche hatte es geschneit, die Schneeschicht trug so früh noch gut, es war nicht zu steil, wenige Spalten waren zu sehen, wir kamen gut voran, den Grossstrubel, den Grat Richtung Mittelgipfel vor Augen. Um 9:00 hatten wir die 750 hm geschafft und standen auf dem fast schneefreien Gipfel (3243 m). „Hergott, schenk uns allen ein Stück Himmel auf Erden“ lasen wir auf dem 1998 von der Lämmerenhütten-familie gespendeten Gipfelkreuz. Das 360°-Panorama vom Jura mit Weisshorn, Matterhorn und Mont Blanc war grandios. Strahlendblauer Himmel und Schnee im
Sonnenschein – aber dieses Blau-Weiß sollte nicht anhalten. Vor dem vorausgesagten schlechteren Regenwetter wollten wir den Gletscher verlassen haben. In der gleichen Spur zurück, Schlappseil vermeidend, im jetzt deutlich weicheren Schnee. Gleich marschierend, mit Pickel in der Hand, dem Wetterumschwung vorauseilend, erzwang der ausgebliebene Haribonachschub bei Ralf eine Pause, obwohl die Hütte fast schon zu sehen war. Nach 6 Stunden ruhten wir in der Sonne, genossen den frischen Obst-kuchen oder veganes Haribo Pico-Balla. Nochmals Lehr- statt Leerstunden - Georg und Christina hatten kürzlich Schulung zu „Rettung im Fels“ und tauschten ihre Kenntnisse mit uns aus. Mit dem Ausgang, dass Christina Ralf und Georg Patrick zur Demonstrationsrettung am Fels schulterten und in Sicherheit brachten. Abends hatten wir die Hütte fast für uns alleine, nur 2 Mütter mit ihren zwei Kindern waren weitere Gäste. „Der Tag geht, Jonny Walker …“ kam nicht, dafür ein großer Topf Gemüsesuppe, Spaghetti, mehrmals als Nachschlag, dazu Salat und Dessert.
Der Abstieg war zunächst über den Üschenegrat, das Schwarzgrätli und das Gällihorn vorgesehen. Wegen schlechter Wetterprognose wurde abends schon Plan B mit frühem Start diskutiert. Früh morgens meinte der Hüttenwirt, das Wetter wäre konstant, aber … der erste Schritt aus der Hütte zeigte nur „konstanten“ Regen. Plan C trat in Aktion: die versicherte Steilstufe unterhalb der Hütte führte uns zum Lämmerenboden, wir folgten dem Gletscherfluß Lämmerendalu zum Daubensee und wanderten anschließend auf dem Wirtschaftsweg zur Bergstation der Gondel nach Sunnbüel. Wir waren die ersten Fahrgäste des Tages, ….. und diesmal musste niemand in der zweiten Gondel nachkommen, und dieses Mal fuhren wir auch zum verabredeten Park-and-Ride Parkplatz.
Die Tour war toll (Landschaft, Wetter, Stimmung, Gesellschaft), trotz Schlafmangels, ständig nasser Füßen wegen undichter Bergstiefel und zeitweise fehlender Haribozufuhr, aber meine Tourkollegen gaben ihr Bestes während der Tage: Patrick „entlastete“ uns, indem meistens er unser Seil trug, Christina und Marcus sorgten mit Geschichten für gute Unterhaltung und gesellige Abende, Patrick und Georg führten uns in die Kunst des Grillens und die Welt des Woks und der Smokers ein (was das Nachtreffen wohl an Grillzaubereien zu bieten hat?).
Marcus: Schöne Touren bei bestem Wetter und gefrorene Gummibärchen – was will man mehr? Georg: Eine tolle Herbstausklangstour, die nach Wiederholung ruft.
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