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Hoch hinaus !

Weiss, aber alles andere als mies - HT 01

07.07.2026

Wenn eine Tour schön und erinnerungswürdig ist, liest man zuhause schon mal über den Berg, den Gipfel oder die Region nach. So geschehen nach der Sektionstour „Hoch hinaus!“ im Juli. Dass die Hochtour zum „weissen Moos“ ging, war nicht wirklich klar, aber im Schweizer Dialekt bedeutet der Wortbestandteil „mies“ von Weissmies Moos. Und weiß vom Gletscher war es trotz hoher Temperaturen auf dem Gipfel immer noch.

Wie lange noch, denn der Weissmies-Gipfel ist seit 1990 (4023 m) um einige Meter (4017m oder gar nur 4011 m nach SAC-CAS?) niedriger geworden. Zwar wachsen die Alpen wegen der Plattentektonik pro Jahr um einige Millimeter, doch das Abschmelzen der vergletscherten Kuppen ist deutlicher: die Jungfrau ist um acht Meter geschrumpft, die Parrotspitze im Monte-Rosa-Gebiet gar um 29 Meter. Das Fletschhorn im Wallis hat bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seinen Status als 4000er verloren. Wann passiert dies bei der Weissmies?

Schnell noch hoch, bevor es zu spät ist? Vermutlich war dies nicht der Grund für die Hochtour. Zu fünft bei der Touranmeldung, aber später nur zu dritt, von jung (25 Jahren) bis alt (67 Jahren), waren wir dann 4 Tage unterwegs. Schwund also nicht nur bei den Gletschern.

Das Programm war gut geplant: relaxte Anreise mit der Bahn, durch schattenspendenden Lärchenwald und Lichtungen zum Berghotel Almagelleralp, einem wenig besuchten Zwischenstopp auf 2200 m, von der morgendlichen „Skyline“ Mannheims zum schönen Panorama der Mischabelkette. Übernachtung im urgemütlichen Dreibettzimmer

mit charmanter Gastfreundlichkeit des älteren Herbergspaares, Murmeltiere vor der Haustür unter dem Kreuz und der Madonnenfigur.

Am folgenden Tag Aufstieg zur Almagellerhütte (2893 m) und etwas „Übungsklettern“ mit Höhenakklimatisation im alpinen Klettergarten Dri Horlini direkt hinter der Berghütte.

Der Gipfeltag begann mit dem 4:00-Frühstück und Start um 4:30 Richtung Rotgrat, über Blockfelder am Einstieg zu den Dri Horlini vorbei.

Monte Rosa, Strahlhorn und Rimpfischhorn tauchen im Sonnenlicht auf. Um 6:00 klettern wir die Rampe (3 Seillängen) hinauf auf den Rotgrat. Sylvia geht auf Nummer sicher, und die nächsten 25 Seillängen gehen wir gesichert auf Schuttterrassen und Felsplatten den Blockgrat hoch. Der Fels ist fest, trocken, rau mit guten Griffen; ein einfacher Weg, gestuft, weite Strecken über ausgesetzte Plattenfluchten, teilweise schräg-abwärtsgeschichtet.

Bei Bilderbuchwetter ist links das Lagginhorn zu sehen, hinter uns die weißen Spitzen der Mischabelgruppe. Höher kommt eine Brise auf, Jacken an, kurze Verschnauf- und Essenspause.

Gegen 14:00 wechseln wir am Rottalhorn (3815 m) auf den Triftgletscher. Einige Gletscherspalten sind zu sehen. Mit Steigeisen und Pickel erreichen

wir bald den Normalweg von Hohsass, der Firn ist nicht für alle griffig, das Abrutschen kostet Kraft. Wir nutzen die Spur, denn das Gelände steilt zunehmend auf.

Sind es noch 150 Höhenmeter? Wird die Atemfrequenz schon schneller? Im Firn entlang des Gipfelgrats, es zieht sich, es ist nicht für alle von uns gleich leicht, das Gelände wird flacher. 

Um 16:00 auf dem Gipfel, ohne Gipfelkreuz, geschafft - Umarmung.

Jetzt startet die „Überschreitung“, unser Abstieg geht Richtung Normalroute, SSE-Grat. Absteigen und „Abklettern“ über blockige Stufen durch einen Hang mit losem Geröll: wo ist der beste Weg? Wir rutschen hier, wir halten uns dort, mal besser, mal weniger günstig. Bald können wir in die Schneefelder östlich des Grats queren. Sie sind in den oberen Bereichen noch steil, wir steigen vorsichtig ab, mal etwas rutschend, seltener einsinkend. Die nächsten Schneefelder rutschen wir auch schon mal langsam ab, die Füße voraus, mit dem Pickel manchmal bremsend. Wir melden dem Hüttenwirt unser spätes Kommen. Irgendwann sehen wir den Sattel des Zwischenbergenpasses (3271 m), es ist 19:30.

Der Weg zur Almagellerhütte ist klar, runter über Geröll, ausgetretene Pfade, flache Felsen. Es wird immer leichter zu gehen, aber die Oberschenkel melden sich, sie sind nicht mehr so frisch wie am Morgen. Unsere Geschwindigkeit nimmt ab. Auf den letzten Metern bloß kein Stolpern. Wir sind vor der Hüttenruhe zurück (21:00).

Geschafft – ein Super-Tag, eine Überschreitung, tolle Ausblicke. Jetzt noch die warme Gemüsesuppe mit Würstchen genießen. Wie sind die Muskeln morgen?

Am Schlusstag haben wir alle Zeit der Welt für den Abstieg, wir müssen erst gegen 14:30 wieder im Dorf Saas-Almagell sein. Nochmals Einkehr mit Aprikosenkuchen und Kaffee auf der Almagelleralp, relaxen in der Sonne.

Dort steht sogar eine Bank direkt über dem Leebach, zum Kühlen der müden oder verspannten Füße?

Eine rundum eindrückliche Tour, in einer tollen Bergkulisse, mit ausschließlich Sonnenschein, guter Verpflegung, entspannter An- und Abreise (die deutsche Bahn war zweimal pünktlich) und ausreichend Muskeltraining.

Text: Ralf Flachmann